"Ich hab’ einmahl einen Freund g’habt, und seitdem hab’ ich gar keinen Abscheu mehr vor die Feind’." Was bedeutet Freundschaft?
Auf wen kann man sich verlassen? Wem vertrauen? Und hat man heutzutage als gutgläubiger, optimistischer, ja fast schon naiv denkender Mensch überhaupt noch eine Chance?
Mit MEIN FREUND bringt Johann Nestroy eine ebenso bittere wie komische Geschichte über Täuschung, Verrat und verlorene Illusionen auf die Bühne. Die 1851 – im Schatten der gescheiterten Revolution von 1848 – entstandene Posse zählt zu den „dunkleren“ Werken des großen Dramatikers. Hinter dem gewohnt brillanten Sprachwitz verbirgt sich eine überraschend melancholische Auseinandersetzung mit menschlichen Abgründen und gesellschaftlichen Maskenspielen.
Worum geht es?
Schlicht, ein gutherziger und vertrauensvoller Mensch, hält Julius für seinen besten Freund – ein folgenschwerer Irrtum. Er vertraut ihm sogar einen Liebesbrief an Amalie an. Doch Julius unterschlägt diesen und erschleicht sich stattdessen mit einem gefälschten Wechsel Geld. Schlicht entdeckt den Betrug, verzeiht jedoch – zu früh.
Sechs Jahre später begegnen sie einander wieder: Julius tritt nun als falscher Baron auf, um sich in die Gesellschaft einzuschleichen. Gleichzeitig umwirbt er die junge Marie und die wohlhabende Clementine – mit dem Ziel, an deren wertvolle Diamanten zu gelangen. Marie hilft ihm dabei ahnungslos.
Schlicht erkennt schließlich, dass Julius ihm nicht nur Geld, sondern auch die Liebe zu Amalie genommen hat. Diesmal handelt er entschlossen: Er durchkreuzt Julius’ Intrigen, rettet Clementine und sorgt für dessen Entlarvung. Am Ende kehren die Juwelen zu ihrer Besitzerin zurück – und vielleicht findet auch Schlicht sein persönliches Glück.
Trotz aller Melancholie bleibt Nestroy seiner unverwechselbaren Kunst treu: Sprachwitz, pointierte Dialoge und fein gezeichnete Charaktere machen MEIN FREUND zu einem ebenso unterhaltsamen wie nachdenklichen Theatererlebnis, das wie so oft bei Nestroy auch erstaunlich aktuell ist.
Intendant und Regisseur Christian Graf setzt gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildnerin Andrea Költringer auf eine atmosphärisch dichte und zugleich spielfreudige Umsetzung. Unterstützt wird Christian Graf von einem erfahrenen Ensemble rund um Paul Graf, Manfred Stella, Michelle Haydn, Florian Haslinger, Maria Sedlaczek, Bella und Melina Rössler, Franz Steiner, San Trohar und Bruno Reichert.
54. NESTROY Spiele Schwechat – MEIN FREUND
SPIELTERMINE
27. Juni bis 1. August 2026
Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag jeweils 20:30 Uhr
Sonntag, 19. Juli um 19:00 Uhr
ORT Schlosshof Rothmühle, 2320 Schwechat-Rannersdorf, Rothmühlgasse 5
TICKETS € 24 – 57
www.nestroy.at | www.oeticket.at
tickets@nestroy.at | +43 650 4723212RahmenprogrammINTERNATIONALE NESTROYGESPRÄCHE – JUBILÄUM 2026
Zum 50. Mal finden im Rahmen der Spiele die Internationalen Nestroy-Gespräche statt (30. Juni – 4. Juli, Justiz-Bildungszentrum). Unter dem Titel „Nestroy und die Wissenschaft“ widmen sie sich neuen Perspektiven auf Werk und Wirkung des Autors.
EXTRA
Nachtwandler – After Show Party
Sa, 11. Juli, ab 23:15 Uhr
Musik, Getränke und Sommerstimmung bei freiem Eintritt